Über mich

Über mich

 

Da meine Mutter viel zu bescheiden ist, um über ihren „Werdegang“ zu schreiben, versuche ich das nun mal zu übernehmen: Wie meine Mama ihre Leidenschaft endlich zum Beruf machte oder auch: Von der Fabrikarbeiterin & Kellnerin zur leidenschaftlichsten Workaholikerin, die ich kenne.

 

Die Ausgangsposition: Geschieden, zwei Kinder (L, 2 Jahre und ich damals 7 Jahre). Alleinerziehend. Ohne Unterhalt. Ziemlich mittellos. Dann also von Null... Na, nicht ganz, denn sie hatte ja uns! Was der entscheidende Punkt war. Wie viele Mütter und Väter kennen das, wenn einen zwei kleine, unschuldige Augen anschauen und nicht verstehen, wie das Leben gerade spielt. Man möchte ihnen eigentlich so gerne alles bieten, was sie wollen? Wir waren ihr Druck und ihre Kraftquelle, die sie täglich vor Augen hatte.

 

„Die Liebe der Mutter zu ihren Kindern ist eine Brücke zu allem Guten:

Im Leben und in der Ewigkeit.“

Aus der Türkei

 

Von Liebe allein lassen sich leider weder Strom, Wasser, Miete oder Brot zahlen,wer hätt’s gedacht. So nahm sie ziemlich jedes Jobangebot an. Während Kindergarten- und  Schulzeiten Arbeit zu finden, mit einem Gehalt, von dem 3  Leute leben können – nahezu unmöglich. Sie wusste, dass irgendwas auf der Strecke bleiben muss: das Geld, ihre Kinder oder sie selbst. Der Alltag sah so aus, dass sie ihre Kinder morgens in Schule und Kindergarten brachte,  von 8 bis 14 Uhr an einem Fabrikband stand und abends bis 3 oder 4 Uhr morgens die Nachtschicht in einer Bar machte  und dann ging es um 6 Uhr wieder von vorne los.

 

„Mutterliebe ist eine Leidenschaft,

die ihre eigene Gewalt und Größe hat,

ihre Übertreibungen und sogar ihre Sinnlichkeit.“

Carmen Sylva (1843 - 1916) Dichtername der Königin von Rumänien

 

Keine Sorge! Wir waren versorgt und lungerten nicht dreckig und hungernd in den Gassen der Stadt rum und nein, wir wurden auch nie von der Polizei nach Hause gebracht. Die Zeiten waren schwer und doch habe ich sie rückblickend als einen unglaublich zusammenschweißenden Segen für unser Dreiergespann wahrgenommen. Wir wurden zum perfekt eingespielten Team. Mama hatte sich damit abgefunden, die nächsten hundert Jahre das Aschenbrödel zu spielen. Aber jedes Aschenbrödel hat eine gute Fee! Ihre hieß und heißt noch immer Phantasie. Sie malte damals, mit einer Leidenschaft die ich selten gesehen habe. Oft versammelten wir uns um eine weiße, langweilige Leinwand und unsere Supermama hat für uns gezaubert. Sie machte einfach so, so und so… und zack standen wir mit leuchtenden Augen vor ihr. Und es blieb kein Geheimnis. Freunde baten um ein Bild, Freunde von Freunden und so weiter. Sie bemalte die Kinderzimmer, Wohnwagen, Wartezimmer bei Ärzten. Ihre Hände zauberten uns immer wieder ein Staunen ins Gesicht und sie malte die Welt um sich herum einfach bunt.

 

„Kunst ist das Gewissen des Künstlers,

seine Liebe,

sein Glaube,

seine innerste Revolution.“

Yohimbi

 

Ihr Traum war ein Designstudium. Aber ihr Tag hatte auch nur 24 Stunden. Sie musste es also anders schaffen, ohne Studium. So entwickelte Mama am Küchentisch immer neue Ideen. Kleine Geschenke, Dekoartikel und Schmuck. Ihre Sachen fanden immer mehr begeisterte Anhänger. Der Stein kam ins Rollen! Den Gewinn von dem Einen stecke sie wieder in neue (verrückte) Ideen. So wurde Mama wie ein kleines Kind. Sie ließ ihren Gedanken freien Lauf und ihr Spielplatz waren Kunstbedarfsgeschäte, Flohmärkte und Baumärkte. Das Konzept ging auf! Aus den Flausen in ihrem Kopf wurden „Prototypen“ und ihre Prototypen wurden zum Verkaufsknüller. Innerhalb von einem Jahr schaffte sie es zum Unternehmen und konnte sich ganz ihrer Leidenschaft widmen. Dank ihrer nie endenden Ideen hat sich unser aller Leben verändert. Sie arbeitet zwar immer noch wie eine Verrückte, von frühmorgens bis spätabends, aber sie leuchtet dabei. Ich kenne keinen, der eine vierzig Stunden Woche am liebsten gleich zweimal in sieben Tagen macht. Sie hat sich aus dem Nichts ihren Traum erfüllt.

 

„Phantasie ist der Goldglanz, der über dem Dasein liegt

und es über das Grau des Alltags erhebt.“

Wladimir Lindenberg

 

Ihre Mutterliebe brachte sie dazu, in den schweren Zeiten immer nach vorne zu schauen.

Ihre Leidenschaft hat ihre Phantasie herum toben lassen.

Und durch ihre Phantasie erschafft sie mit ihren Händen immer einzigartige Stücke.

 

Ich bedanke mich bei den Kunden, die Mamas Potenzial erkannt und ihr somit den Mut gegeben haben, weiter zu machen! Auch bei allen Menschen, die dachten, sie würden meine Mama unterkriegen! Ebenso bedanke ich mich für alle „neuen“ Kunden, die ihr morgens um sieben Uhr ein Lächeln auf ihre Lippen zaubern, wenn sie ihre neu eingegangenen Bestellungen sieht. Vor allem aber danke ich den Müttern, die alles, wirklich alles geben für ihre Kinder! Ihr zeigt wie man dem Leben die Zunge rausstreckt und es anlacht, wenn es euch klein kriegen will.

 

Meine Mama ist für mich die stärkste und taffste Frau auf der Welt!

Danja

 

„Kunst ist der wundersame Schmuck des Lebens.

Sie kann nichts anderes sein,

weil das Wesen aller Künste darin besteht zu schmücken.“

Henry van de Velde (1863-1957), belg. Architekt u. Kunstgewerbler